B2B-Video-Trends 2026: Was Agenturen wissen müssen
Johannes Westphal
Gründer & Creative Director
Das Videojahr 2026 hat gerade erst richtig angefangen, und schon zeichnen sich klare Trends ab, die den B2B-Videomarkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz verändern werden. Als Agentur beobachten wir diese Entwicklungen nicht nur — wir stecken mittendrin.
Hier sind die sechs wichtigsten B2B-Video-Trends, die jede Videoagentur und jeder Marketing-Verantwortliche im DACH-Raum kennen sollte.
Trend 1: Short-Form-Video dominiert LinkedIn
Was auf TikTok und Instagram Reels schon länger funktioniert, hat jetzt auch den B2B-Bereich erreicht. LinkedIn hat sein Video-Format massiv gepusht, und die Zahlen geben der Plattform recht. Kurzvideos zwischen 30 und 90 Sekunden erzielen auf LinkedIn aktuell die höchsten Engagement-Raten aller Content-Formate.
Für Agenturen bedeutet das: Der klassische dreiminütige Imagefilm wird ergänzt durch Kurzformate. Talking Heads, Quick Tips, Behind-the-Scenes — alles im Hochformat, alles unter 60 Sekunden. Unsere Kunden in Berlin fragen zunehmend nach Video-Paketen: Ein Imagefilm plus zehn LinkedIn-Kurzvideos, die aus dem Drehmaterial geschnitten werden.
Was das für die Produktion bedeutet
Man braucht heute bei jedem Dreh einen Plan für die Kurzformate. Welche Momente eignen sich für einen Clip? Welche Soundbites können eigenständig funktionieren? Wer das beim Dreh nicht mitdenkt, verschenkt enormes Potenzial.
Trend 2: KI-gestützte Videoproduktion
KI verändert nicht nur das Skript-Schreiben, sondern den gesamten Produktionsprozess. Automatische Untertitel-Generierung, KI-basierte Farbkorrektur, automatische Formatanpassung von 16:9 auf 9:16, Sprachsynthese für Sprechertext — die Tools werden jeden Monat besser.
Allerdings: Der deutsche Markt ist hier konservativer als der amerikanische. Unsere Kunden wollen wissen, wo KI eingesetzt wird und wo nicht. Transparenz ist Pflicht, nicht Kür. Und qualitativ sind rein KI-generierte Videos noch weit von dem entfernt, was deutsche B2B-Kunden erwarten.
Pro-Tipp: Nutzt KI-Tools für die Postproduktion, nicht für die Hauptproduktion. Automatische Transkription, intelligenter Schnittvorschlag, Batch-Export in verschiedene Formate — hier spart KI wirklich Zeit, ohne die kreative Qualität zu gefährden.
Trend 3: Interaktive Videos im B2B
Interaktive Videos — also Videos, in denen der Zuschauer Entscheidungen treffen kann — waren lange ein Nischenthema. Das ändert sich gerade. Besonders im B2B-Bereich sehen wir zunehmend Einsatzfelder: Produktkonfiguratoren als Video, interaktive Schulungen, personalisierte Sales-Videos, bei denen der Empfänger seinen eigenen Pfad wählt.
Die Technologie ist mittlerweile reif und bezahlbar. Was fehlt, ist oft das Know-how auf Agenturseite. Wer sich hier positioniert, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil. Der deutsche Markt ist noch weitgehend unerschlossen.
Trend 4: Personalisierte Videos im Vertrieb
"Hallo Herr Müller, wir haben eine Lösung für Ihr Unternehmen" — personalisierte Videos mit dem Namen des Empfängers, seinem Firmenlogo und branchenspezifischen Inhalten. Was vor zwei Jahren noch aufwändig und teuer war, lässt sich heute mit Templates und Automatisierung skalieren.
Wir sehen diesen Trend vor allem im Enterprise-Vertrieb. Ein Berliner Softwareunternehmen hat seine Antwortrate auf Kaltakquise-Mails mit personalisierten Videos von 3 auf 11 Prozent gesteigert. Das sind Zahlen, die jedes Sales-Team aufhorchen lassen.
Datenschutz beachten
In Deutschland gelten strenge Datenschutzregeln. Personalisierte Videos müssen DSGVO-konform sein. Die Daten des Empfängers dürfen nur mit entsprechender Rechtsgrundlage verwendet werden. Hier haben deutsche Agenturen einen Vorteil: Wir kennen die rechtlichen Rahmenbedingungen und können unsere Kunden entsprechend beraten.
Trend 5: Nachhaltigkeit in der Videoproduktion
Green Shooting ist kein Nischenthema mehr. Immer mehr deutsche Unternehmen fragen nach der Nachhaltigkeit der Videoproduktion. Wie groß ist der CO2-Fußabdruck eines Drehs? Können wir Remote-Interviews statt Vor-Ort-Drehs machen? Gibt es umweltfreundliche Alternativen für Licht und Transport?
In Berlin und München gibt es mittlerweile zertifizierte Green-Shooting-Standards. Wir haben unseren eigenen CO2-Rechner für Videoproduktionen entwickelt und bieten jedem Kunden eine klimaneutrale Option an. Ist das teurer? Etwas. Wird es nachgefragt? Zunehmend.
Pro-Tipp: Dokumentiert den CO2-Fußabdruck eurer Produktionen. Immer mehr Unternehmen müssen für ihre ESG-Berichte auch die Emissionen von externen Dienstleistern angeben. Wer das als Agentur proaktiv liefert, punktet bei der nächsten Ausschreibung.
Trend 6: Vertical Video als Standard
16:9 ist nicht tot, aber Hochformat ist der neue Standard für die digitale Distribution. LinkedIn, Instagram, TikTok, YouTube Shorts — überall dominiert 9:16. Und auch auf Websites sehen wir immer häufiger vertikale Video-Einbindungen, besonders auf Mobile.
Für die Produktion bedeutet das: Jeder Dreh muss beide Formate mitdenken. Das beeinflusst die Kadrierung, die Ausleuchtung und das Set-Design. Ein Interview, das für 16:9 geframet ist, funktioniert nicht automatisch in 9:16, weil der Sprecher plötzlich zu viel Headroom hat oder an den Seiten abgeschnitten wird.
Praktische Konsequenzen
Wir drehen heute oft in 4K und framen so, dass wir in der Post sowohl einen 16:9- als auch einen 9:16-Schnitt machen können. Das erfordert etwas Planung, liefert aber zwei Formate aus einem Dreh.
Bonus-Trend: Employee-Generated Content
Ein Trend, der besonders in Deutschland an Fahrt gewinnt: Mitarbeitende erstellen selbst Video-Content. Nicht professionell produziert, sondern authentisch mit dem Smartphone. Für Employer Branding, interne Kommunikation und Social Media.
Agenturen, die diesen Trend aufgreifen, bieten Workshops und Templates an, mit denen Mitarbeitende selbstständig guten Content erstellen können. Das ist kein Ersatz für professionelle Produktion, sondern eine Ergänzung. Und für die Agentur eine zusätzliche Einnahmequelle.
Was bedeutet das für Videoagenturen?
Die Trends zeigen: Der Markt wird gleichzeitig professioneller und demokratischer. Auf der einen Seite steigen die Anforderungen an Qualität, Strategie und Datenschutz. Auf der anderen Seite wird die Produktion durch KI-Tools und Smartphone-Videos zugänglicher.
Agenturen, die sich auf Strategie, Qualität und Prozesse fokussieren, werden profitieren. Wer nur Dreh und Schnitt anbietet, wird es schwerer haben. Der Trend geht klar in Richtung Full-Service: Konzept, Produktion, Distribution, Analyse — alles aus einer Hand.