Erklärvideo produzieren: Der komplette Leitfaden für 2026
Lisa Hartmann
Head of Production
Erklärvideos sind nach wie vor eines der effektivsten Formate im B2B-Marketing. Und trotzdem werde ich jede Woche gefragt: "Lisa, was kostet das eigentlich und wie lange dauert das?" In diesem Leitfaden beantworte ich alle Fragen rund ums Erklärvideo produzieren — basierend auf unseren Erfahrungen aus über 200 Erklärvideos für Unternehmen im DACH-Raum.
Ob du ein Erklärvideo erstellen lassen möchtest oder die Produktion intern steuerst: Dieser Guide gibt dir alle Informationen, die du für eine fundierte Entscheidung brauchst.
Was ist ein Erklärvideo und wofür eignet es sich?
Ein Erklärvideo bringt komplexe Sachverhalte in 60 bis 180 Sekunden auf den Punkt. Es kombiniert visuelle Elemente mit einer klaren Narration und macht abstrakte Themen greifbar. Typische Einsatzgebiete in Deutschland sind Produkterklärungen für SaaS-Unternehmen, Onboarding-Videos für Mitarbeitende, Prozessdarstellungen im B2B-Bereich und Schulungsvideos für Compliance-Themen.
Gerade im deutschen Mittelstand sehen wir eine steigende Nachfrage. Die Unternehmen haben verstanden, dass ein gutes Erklärvideo die Support-Anfragen reduziert und die Conversion Rate auf Landing Pages steigert.
Die verschiedenen Erklärvideo-Stile
Nicht jedes Erklärvideo ist gleich. Der Stil sollte zur Marke und Zielgruppe passen. Hier die gängigsten Formate, die wir in Berlin und deutschlandweit produzieren:
Motion Graphics
Der beliebteste Stil im B2B-Bereich. Abstrakte Formen, Icons und Typografie werden animiert. Wirkt modern und professionell. Besonders gut geeignet für technische Themen und SaaS-Produkte. Produktionszeit liegt bei vier bis sechs Wochen.
Whiteboard Animation
Klassisch, aber immer noch wirksam. Eine Hand zeichnet die Inhalte auf eine weiße Fläche. Funktioniert gut für komplexe Erklärungen und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Etwas günstiger in der Produktion als Motion Graphics.
2D Character Animation
Animierte Figuren erzählen die Geschichte. Ideal für Employer Branding und Themen, bei denen Emotionalität wichtig ist. Aufwändiger in der Produktion, da die Charaktere zunächst designt und dann riggt werden müssen.
3D Animation
Der Premium-Stil. Fotorealistische oder stilisierte 3D-Objekte werden animiert. Besonders beliebt in der Industrie und bei technischen Produkten. Entsprechend höher sind die Kosten und Produktionszeiten.
Screencast mit Animation
Bildschirmaufnahmen, aufgewertet durch animierte Overlays und Grafiken. Perfekt für Software-Tutorials und App-Demos. Am schnellsten und günstigsten zu produzieren.
Was kostet ein Erklärvideo in Deutschland?
Die Frage aller Fragen. Hier eine realistische Kostenübersicht für den deutschen Markt in 2026:
- Einfacher Screencast mit Animation: 1.500 bis 3.000 Euro
- Whiteboard Animation (60-90 Sek.): 3.000 bis 6.000 Euro
- Motion Graphics (60-90 Sek.): 5.000 bis 10.000 Euro
- 2D Character Animation (60-90 Sek.): 6.000 bis 12.000 Euro
- 3D Animation (60-90 Sek.): 10.000 bis 25.000 Euro
Pro-Tipp: Fragt immer nach, was im Preis enthalten ist. Professionelle Sprecher, Musik-Lizenzen und zwei Korrekturschleifen sollten Standard sein. Manche Agenturen berechnen das extra — und dann wird das vermeintliche Schnäppchen plötzlich teuer.
Der Ablauf: Vom Briefing bis zur Auslieferung
Ein professionelles Erklärvideo durchläuft mehrere Phasen. Ich beschreibe hier unseren typischen Prozess:
Phase 1: Briefing und Konzept (Woche 1)
Alles beginnt mit einem ausführlichen Briefing. Wir klären Ziel, Zielgruppe, Kernbotschaft, Tonalität und Stil. Danach erstellen wir ein Konzept mit Storyline und Skript-Entwurf. Der Kunde bekommt das Skript zur Freigabe.
Phase 2: Storyboard und Design (Woche 2-3)
Auf Basis des freigegebenen Skripts erstellen wir ein Storyboard — Szene für Szene, als einzelne Bilder. Parallel entwickeln wir den visuellen Stil: Farbpalette, Illustrationsstil, Typografie. Auch hier erfolgt eine Kundenfreigabe.
Phase 3: Animation und Vertonung (Woche 3-5)
Jetzt wird animiert. Die Illustrationen werden zum Leben erweckt, der professionelle Sprecher nimmt den Text auf, die Musik wird ausgewählt. Am Ende steht ein erster Rohschnitt.
Phase 4: Feedback und Feinschliff (Woche 5-6)
Der Kunde sieht den Rohschnitt und gibt Feedback. In der Regel sind ein bis zwei Korrekturschleifen eingeplant. Danach erfolgt der Feinschliff: Timing-Anpassungen, Sounddesign, finale Farbkorrekturen.
Phase 5: Auslieferung (Woche 6-8)
Das fertige Video wird in allen vereinbarten Formaten geliefert. Für Social Media in Hochformat, für die Website in Full-HD oder 4K, für Präsentationen in 16:9. Wir liefern auch die Untertitel-Datei und eine barrierefreie Version.
Häufige Fehler beim Erklärvideo produzieren
Aus über 200 Projekten kenne ich die häufigsten Stolperfallen:
- Zu viele Informationen: Ein Erklärvideo ist kein Whitepaper. Konzentriert euch auf eine Kernbotschaft.
- Kein klarer CTA: Was soll der Zuschauer nach dem Video tun? Das muss klar sein.
- Skript zu spät freigeben: Änderungen am Skript nach der Animation sind teuer.
- Interne Abstimmung dauert zu lange: Der häufigste Grund für Projektverzögerungen.
Pro-Tipp: Plant bei der Timeline immer eine Woche Puffer für interne Abstimmungen auf Kundenseite ein. In meiner Erfahrung dauert die interne Freigabe fast immer länger als die eigentliche Produktion.
Erklärvideo produzieren lassen oder selbst machen?
Für einfache interne Videos kann ein DIY-Ansatz mit Tools wie Vyond oder Canva funktionieren. Für alles, was nach außen geht — Kunden, Partner, Investoren — empfehle ich eine professionelle Agentur. Die Investition zahlt sich aus: Ein professionelles Erklärvideo hat eine Nutzungsdauer von zwei bis drei Jahren und amortisiert sich schnell.
Wer ein Erklärvideo produzieren lassen möchte, sollte bei der Agenturauswahl auf Portfolio, Referenzen und den Produktionsprozess achten. Ein strukturierter Prozess mit klaren Meilensteinen und Freigabepunkten ist das beste Zeichen für eine professionelle Zusammenarbeit.
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